Pressestimmen

Entlarvende Sinn-Spiralen: Die eigene Sprache erheben
Von Florian L. Arnold

Augsburger Allgemeine, Artikel vom 08.09.2008

Neu-Ulm - Jörg Neugebauer ist in der hiesigen Literaturszene auf dem Weg zum Urgestein. Lange Jahre war er Mitglied der "Ulmer Autoren 81" und tourte mit ihnen auf Lesungen.

Seine sprachgewandten Gedichte schon damals ein Hinhörer. Seit seiner Pensionierung hat sich Neugebauers Produktivität erheblich gesteigert. Neben Lyrikbänden ("Über den Zeppelinen", "Brüllende Apparate") folgte 2005 auch ein erster Roman, "Kopf und Körper". Die Erfahrungen mit Klein- und on-demand-Verlagen hatten Neugebauer ernüchtert - und so gründeten er und seine Frau 2006 einen eigenen Verlag in Neu-Ulm, den Railroad-Verlag, dessen Nukleus der Zyklus "Dionysos - der immerzu kommende Gott" ist. Es folgten CD-Fassungen von Dionysos und den aktuellen "Wortkunst-Läufen".

Nun hat Neugebauer mit "Denksagung" (im Salon-Literaturverlag) sein Markenzeichen einmal mehr verfeinert, hat die Witz und Melancholie verknüpfenden Wort- und Sprachspielereien um die nächste Nuance verdichtet. Zu seinem Stil, folgend den Entwürfen eines HC Artmann, gehört das Weglassen jeglicher Satzzeichen. Dadurch erweitert er die Palette der Lesarten erheblich; manches Gedicht wird so zum Vexierbild, lässt sich als verspielte heitere Fantasie oder als tragikkomische Farce begreifen. Tragischen Momenten geht Neugebauer direkter denn je nach: "Nach deinem tod / trägst du ein anderes gesicht / vorher / hast du es / in dir getragen / jetzt / darfst du es / zeigen". Auch der Witz darf sich geradliniger zeigen: "ich nehme unterricht / unterricht geben muss einfacher sein / da müssen sich die anderen benehmen / (...) wahrscheinlich ist das der sinn: man soll still sein / während die anderen schweigen".

Neugebauers Gedichte zeugen von einem auffallenden Potenzial an sprachlichem Spielwillen. Wohltuend hebt sich seine Sensibilität für das Wort ab.

Wo andere gerne mal auf der großen Sinnsuche im Fettnäpfchen der Doppeldeutigkeiten enden, bleibt Neugebauer dank feinem Mix aus Ironie, Sprachwitz, Realitätssinn und Stil immer an den Bedürfnissen des Lesers (oder Hörers): "sie sagt / sie mag die art / wie ich denke / wahrscheinlich ist das mein glück".

Derzeit entsteht ein zweiter Roman ("Blue West"), außerdem eine Reihe von Prosastücken, die, eventuell als Bestandteil des kommenden Projekts "Hommage an Jandl", als Mixtur aus Sprechgesang, absurdem Theater und Lesung funktionieren sollen.

Wohin sich Neugebauers Weg entwickeln wird, ist offen; er selbst genieße nun die Möglichkeiten, die sich ihm bieten - auch in der Zusammenarbeit mit Elvira Lauscher, mit der er die "Wortkunstläufe" entwickelt hat.

Diese Wortkunstläufe - ironische Übertragung des Begriffes "Eiskunstlauf" auf die Lyrik - zeugen, ebenso wie "Denksagung", von Neugebauers Vergnügen an der Sprache.

Dem Leser und Hörer vermittelt sich dieses Vergnügen unmittelbar und gerne taucht man ein in die Sinn-Spiralen, die die Absurditäten unseres Daseins bloß legen. Nicht bösartig, nicht kabarettistisch, sondern durch den Blick des Poeten entlarvend.

Jörg Neugebauer: Denksagung. Salon-Literaturverlag, 2008. ISBN 978-3-939321-14-9

 

SÜDWEST PRESSE - Ausgabe Ulm - 30.08.2008

Wortspielereien mit Tiefgang

Jörg Neugebauers Lyrikband "Denksagung"

Ohne Punkt, fast ohne Kommas, dafür mit verblüffender Metaphorik kommt Jörg
Neugebauers Lyrik daher: spielerisch, auch mit tieferem Sinn.

ANJA MADER

Wortspielereien, verfremdete Metaphern, neue Sichtweisen auf tausendmal in
Gedichten Besungenes, unverblümte Wahrheiten: Das ist die Stärke des
Neu-Ulmer Lyrikers Jörg Neugebauer. Seine Wortgewalt beweist er auch in
seinem neuesten Band "Denksagung". Und hinter aller Spielerei verbirgt
sich oft ein ernster Hintergrund. Beispielsweise im Gedicht "die hände":
ich wasche meine hände / jawohl ich wasche sie mir / ungewaschen könnte
ich meine hände jetzt nicht / ertragen / ich wüsste gar nicht wohin /
gewaschen erst sind sie mein. Ja, er wäscht sie - in Unschuld.

Auch das Gedicht "Lebensentwurf" ist enthalten, für das Neugebauer im
vergangenen Jahr den Pegasus-Preis erhielt. Ein Monstrum von Gedicht, vier
Seiten lang, wie es sein Stil ist: ohne Punkt und Komma. Das Fragen rund
um persönliche Lebensentwürfe aufwirft, von denen dann am Lebensende nur
noch eines übrig bleibt: Ich bin von mir menschlich enttäuscht menschlich
nicht tierisch. Besonders im letzten Teil, der dem Band auch seinen Namen
gegeben hat, wird Neugebauer nachdenklich. Fragwürdige Denksagungen
beispielsweise an Computer, die einem das Denken abnehmen, außer es wird
kompliziert: drücken sie bitte die / taste für häufige fragen für seltene
/ fragen sie ihren psychiater.


Allmende, Zeitschrift für Literatur, August 2008:

Mit Die langen Ruder legt der 1949 in Braunschweig geborene und in Neu-Ulm lebende Jörg Neugebauer seinen dritten Gedichtband vor. "Überraschung ja Überraschung/zu gerne wäre ich mal überrascht/positiv natürlich denn Schlecht/Überraschendes kommt schon genug" heißt es in einem der über 50 meist kurzen Gedichte. Überrascht dürften aber nur jene Leser sein, welche die ersten beiden Lyrikbände Neugebauers - "Über den Zeppelinen" und "Brüllende Apparate" - nicht kennen, denn auch sein dritter Band überzeugt durch virtuose Wortgewandtheit und Humor, ohne dabei den nötigen Tiefgang vermissen zu lassen. Unterhaltsam schildert er die vielfältigen Herausforderungen des Lebens und läßt den Leser über die zuweilen beißende Ironie schmunzeln, mit der er sein "Gewehr putzt" - "rein aus moralischen Gründen". Monica Trinca

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Augsburger Allgemeine:

Dionysos kommt vom Computer
Von unserem Redakteur Roland Mayer

"Einen Blitz essen, das kommt überraschend," beginnt das kleine Lyrikbändchen mit einem Paukenschlag. Wenn es um Dionysos, den griechischen Gott der Fruchtbarkeit und des Weines geht, dann ist Gottvater und Blitzeschleuderer Zeus nicht weit ........ weiter lesen...


planet X Magazin 15, Ausgabe September/Oktober 2006

Martin Schmidt: Mythos, Rausch, Poesie.

Warum sich heute noch mit griechischer Mythologie beschäftigen? Im Booklet der CD steht die Lösung: "Jeder Mann hat etwas von Herakles, in jeder Frau ist eine Venus." ........ weiter lesen...

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